Erster Ballonaufstieg des Grafen Ferdinand von Zeppelin im amerikanischen Bürgerkrieg am 19.8.1863

Graf Ferdinand von Zeppelin begann seine militärische Laufbahn im Jahr 1855 als Kadett in der Kriegsschule Ludwigsburg. Drei Jahre später wurde er Leutnant in der Württembergischen Armee. Noch im selben Jahr wurde er beurlaubt, um in Tübingen die Fächer Staatswissenschaften, Maschinenbau und Chemie zu studieren. Aufgrund der vorsorglichen Mobilmachung wegen des österreichisch-italienischen Konflikts war er 1859 gezwungen sein Studium abzubrechen. Im Anschluss wurde er zum Ingenieurkorps einberufen.

Im April 1863 reiste der junge Graf, der inzwischen Offizier geworden war, über Liverpool nach Nordamerika, um am Sezessionskrieg als Beobachter teilzunehmen.

Jürgen Bleibler, Leiter der Technikabteilung im Zeppelin Museum, schreibt im Buch „Die Zeppelins – Lebensgeschichten einer Adelsfamilie“, dass Graf Zeppelin weniger an den politischen Gründen des Krieges interessiert war, als an militärischen Dingen. Er wollte moderne Kriegstechnik und Truppentaktik kennenlernen.

Die Militärs interessierten sich für diesen Bürgerkrieg, da zu diesem Zeitpunkt technische Neuerungen eingesetzt wurden, die kriegsentscheidend waren. Das galt für die Waffentechnik sowie für den Transport von Truppen und Waffen, für welche nun auf Dampfschiffe und Eisenbahnen zurückgegriffen werden konnte. Neben Tauchbooten und gepanzerten Schiffen gab es nun auch Vorläufer von Maschinengewehren sowie Ballone zur Aufklärung und zur Vorbereitung von Kampfhandlungen.

Graf Zeppelin war für die Nordstaaten unterwegs. Er reiste zunächst viel mit der Eisenbahn und war beeindruckt von der Weite des Landes. In St. Paul / Minnesota traf Graf Ferdinand von Zeppelin auf den deutschen Ballonfahrer John H. Steiner, der den abenteuerlustigen Offizier am 19. August 1863 gegen ein Entgelt zu einem seiner Aufstiege mitnahm. Es handelte sich um einen „gefesselten Aufstieg“, bei dem der Ballon durch ein Seil mit dem Boden verbunden blieb. Steiner war zu Beginn des Krieges in das Ballonkorps der Nordstaatenarmee eingetreten, dann aber wegen ausbleibender Bezahlung wieder ausgetreten und nun auf eigene Faust unterwegs. Laut Bleibler war er eine „schillernde Figur in der amerikanischen Ballonfahrerszene“.

Noch am selben Tag des Ballonaufstiegs schrieb der Graf im International Hotel in St. Paul an seinen Vater:

„Soeben bin ich mit Prof. Steiner, dem berühmten Aeronauten, zu einer Höhe von 6-700 Fuß [das entspricht etwa 200 Metern – Anm. d. Verf.] aufgestiegen. Das Terrain ist außerordentlich geeignet, um den Wert der militärischen Rekognoszierung mittelst des Ballons darzutun. Der Mississippi mit St. Paul und ein westl. von letzterem eine Meile vom Flusse entfernt und mit diesem gleichlaufenden Höhenzug bilden eine sehr gute Defensiv-Stellung gegen einen das Tal heraufmarschierenden Angreifer. Kein Turm, keine Höhe ist hoch genug, um die Verteilung der Truppen des Verteidigers auf dem sanften offenen Hange hinter seiner Gefechtslinie zu zeigen. Aus der hohen Stellung des Ballons war sie vollständig zu überblicken. Wollte man die auf jenem Hange aufgestellten Reserven mittels Artilleriefeuer beunruhigen, so könnte der Batterie durch Zeichen telegraphiert werden, wie ihre Geschosse fallen. Letzteres ist bei den hiesigen Armeen zuweilen mit großem Erfolg geschehen.“

Zeppelin und Steiner sprachen damals auch über länglich geformte, im Wind stehende Ballone. Diese Idee stammte bereits aus den 1840ern aus Frankreich. Sie wurde später wieder aufgegriffen und von Charles Renard sowie Alphonse Pénaud weiterentwickelt. In den 1890ern wurde diese Idee in Deutschland von Hans Bartsch von Sigsfeld und August von Parseval als „Drachenballon“ perfektioniert. Dieser wurde 1897 vom Preußischen Kriegsministerium als Standardballon eingeführt.

Nicht zuletzt deshalb wurde dieser Ballonaufstieg in der Vergangenheit wiederholt als Initialzündung interpretiert, die Graf Zeppelin zu seiner Luftschiffidee inspiriert habe. Jürgen Bleibler teilt diese Ansicht jedoch nicht:

„Das war zwar nicht der Fall, aber mit militärisch-analytischem Blick erkannte der Offizier aus Europa die Möglichkeiten der Aufklärung und Artilleriebeobachtung aus der Luft. Beides wurde im amerikanischen Bürgerkrieg praktiziert.“

Auch Hugo Eckener vertrat diesen Standpunkt, wie aus seinem Buch „Graf Zeppelin – Sein Leben nach eigenen Aufzeichnungen und persönlichen Erinnerungen“ hervorgeht. Darin schreibt Eckener:

„Man kam schließlich nach St. Paul, und hier hatte der Graf Gelegenheit, seinen ersten Aufstieg in einem Ballon zu machen. Es ist aber nicht richtig, daß er damals schon sich mit Gedanken an ein Luftschiff trug oder daß dieser Aufstieg ihn auf solche Gedanken gebracht hätte.“

QUELLEN:

Hugo Eckener: Graf Zeppelin – Sein Leben nach eigenen Aufzeichnungen und persönlichen Erinnerungen, Stuttgart 1938.

Tobias Engelsing und Jürgen Bleibler: Die Zeppelins – Lebensgeschichten einer Adelsfamilie. Kapitel: Bürgerkrieg in Amerika – Beobachtungsballone und anderes Kriegsgerät, herausgegeben vom Rosgartenmuseum Konstanz in Kooperation mit dem Zeppelin Museum, 1. Auflage 2013.

Rolf Italiaander: Graf Zeppelin – Reitergeneral Diplomat Luftschiffpionier, Stadler-Verlag Konstanz.

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