Fahrt des LZ 127 Graf Zeppelin nach Rom

Heute vor 90 Jahren, am 29. Mai 1933 um 00.17 Uhr, startete „der Graf“ zu seiner Fahrt nach Rom. Schiffsführer war Ernst A. Lehmann. An Bord waren einige Gäste, die schon mehrmals mit dem Zeppelin gefahren waren, darunter auch Anhänger*innen der damals neuen nationalsozialistischen Machthaber*innen. Einer von ihnen, Carl Bruer, schrieb einige Tage später einen Reisebericht, den er der Luftschiffbau Zeppelin GmbH zukommen ließ.

Titelseite des Reiseberichts von Carl Bruer. Die Broschüre wurde von der Greif-Werke AG Goslar, einer Firma für Bürobedarf, in kleiner Auflage auf dem „Greif-Rapid-Vervielfältiger“ hergestellt. Der Firmeninhaber Bruer war als Passagier bei mehreren Zeppelin-Fahrten an Bord.

Die Reise führte entlang des Rheins an Basel vorbei, dann über das Rhônetal bis nach Avignon und von dort zum Mittelmeer. Dann fuhr das Luftschiff über Marseille und Genua nach Rom, wo es um 17.10 Uhr ankam. Carl Bruer schrieb darüber:

Wir nähern uns Rom, und alle sind gespannt. Nachdem wir noch Civita-vecchia passiert haben, verlassen wir bald die Küste, und – unter Begleitung von zwei Flugzeugen – sehen wir dann schon das silberne Band des Tiber und im Hintergrund das Häusermeer.

Donnernd fahren wir über die heilige Stadt, mit brausendem Jubel und Musik begrüsst. Auf den flachen Dächern der Häuser stehen viele tausend Menschen. Wir nehmen Mundtücher, die wir fest um die Finger knoten müssen, und winken vor Begeisterung und Freude über den herzlichen Empfang. Und nun kommen all die gewaltigen Gebäude zum Vorschein, die wir in Ruhe betrachten können. Da ist die mächtige Peterskirche, der Vatikan, die heilige Stadt, dann in leuchtend weißem Marmor das Denkmal von König Victor Emanuel, das Pantheon, das Kolosseum, die Engelsburg, die Via Appia, dort die alte römische Wasserleitung und so viele schöne alte und neue Bauten (…).

Blick auf Forum Romanum und Kolosseum vom Luftschiff aus.
Blick auf Forum Romanum und Kolosseum vom Luftschiff aus. © Zeppelin Museum Friedrichshafen

LZ 127 Graf Zeppelin fuhr eine Schleife und weiter zum Militär-Flugplatz Ciampino, wo eine unübersehbare Menschenmenge die Reisenden erwartete. Aufgrund des starken Windes fuhr das Luftschiff anschließend nochmals einige Schleifen über Rom. Um 18.00 Uhr konnte dann gelandet werden. Carl Bruer erzählt:

Der Platz ist mit sehr viel Militär umsäumt. Darunter machen besonders die Carabinieri zu Pferde einen schmucken Eindruck. Die Haltemannschaften sind gut geschult, denn bei dem starken Wind müssen die Kommandos schnell ausgeführt werden. Die Aluminiumtreppe wird heruntergelassen – und wir sind mit Italien verbunden. Doch noch nicht aussteigen!

[Bruer fügte hier ein Bild von Mussolini ein., Anm. d. Red.]

Der König mit seinen Töchtern Mafalda von Hessen und Maria von Savoyen, der bekannte Flugminister Balbo, König Aman Ullah von Afghanistan, Minister Dr. Goebbels, der deutsche Botschafter von Hassel und viele hohe Militärs sind da. Alle haben auf uns gewartet und kommen nun unter großem Beifall die Treppe hinauf; sie gehen zunächst zum Führerstand, dort werden sie von Kapitän Lehmann, v. Schiller und Flemming begrüsst. Sie lassen sich die Einrichtung erklären, dann geht es durch den Aufenthaltsraum – wo wir uns befinden – zu den Passagier- und Mannschaftsräumen.

Dr. Goebbels und verschiedene S.A.-Leute bleiben bei uns, bis die Besichtigung zu Ende ist. Wieder unter großem Beifall verlässt der König mit seinem Gefolge ‚Graf Zeppelin‘, und wir können aussteigen, von einer vieltausendköpfigen Menge lebhaft und freudig begrüsst. Doch das Luftschiff füllt sich gleich wieder. Der Flugminister und eine ganze Anzahl hoher Herrschaften steigen ein, um einen 1 ½ stündigen Rundflug zu machen. Kommandorufe – und leicht hebt sich der mächtige Leib in die Lüfte, die Motore[n] donnern, die Menge klatscht Beifall und die Musik spielt, ‚Deutschland, Deutschland, über alles!‘.

Die ursprüngliche Reisegruppe wurde in einem Bus zum Offizierscasino gefahren, konnte dort aber nicht lange verweilen, weil das Luftschiff weiterfahren wollte.

Ein Abstecher nach Neapel wurde wegen schlechten Wetters abgesagt und „der Graf“ fuhr wieder auf der gleichen Strecke zurück nach Friedrichshafen. Die Fahrt dauerte insgesamt 37 Stunden.

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