Wieviel Utopie braucht die Freiheit und wieviel Zukunft braucht das Museum?

Utopie Konferenz 2022

Was können Museen zu einer sozial und ökologisch nachhaltigen Gesellschaft beitragen – und wie verändern sie sich selbst auf dem Weg dahin? Unter dem Motto „Museum der Zukunft“ nahm das Zeppelin Museum an der diesjährigen Utopie Konferenz der Leuphana Universität Lüneburg teil, mit dem Ziel Museen als Orte der demokratischen Begegnung und des sozialen Wandels auszuleuchten. Gemeinsam mit dem Museum der Arbeit in Hamburg führte das Zeppelin Museum einen Workshop in einem der Denkräume der Konferenz durch.

Ein Nachbericht von Frauke Stengel und Caroline Wind.

Die Utopie-Konferenz suchte in diesem Sommer nach einem Freiheitsverständnis auf der Höhe der 2020er Jahre. Nach einer Freiheit, die aus den gegenwärtigen Verwundungen lernt und sich auf eine demokratische Zukunftskunst versteht“, so titelt die Leuphana Universität Lüneburg im Nachgang zur Konferenz, die vom 30. August bis 02. September 2022 stattgefunden hatte. Die Frage, wie viel Utopie die Freiheit angesichts planetarer Grenzen, Welt-Unordnung und globaler Ungleichheit braucht, bildete den Kern aller Panels, Werkstätten und Denkräume. Welche Bedeutung dabei den Museen und deren Rolle innerhalb der Gesellschaft zukommt, wurde unter anderem während des Gesprächs der Gastgeber*innen Maja Göpel und Richard David Precht mit dem Hamburger Kultursenator Carsten Brosda deutlich, der Museen als Werkzeugkästen der Gesellschaft bezeichnete, mit deren Hilfe aufgezeigt werde, wie eine Gesellschaft funktionieren könnte.

Im Rahmen des Workshops „Museum der Zukunft“ wollten wir an diese Fragestellungen anknüpfen, anhand von drei utopischen Szenarien ins Gespräch kommen und gleichzeitig einen produktiven Austausch zu den utopischen und doch sehr realistischen Herausforderungen dieser Zeit anstoßen. Thematisch befassten sich die drei Szenarien mit eingeschränkter Individualmobilität, Bürger*innenräten und dem digitalen Zeitalter sowie deren Auswirkungen auf den Museumsbetrieb.

Zum Auftakt des Workshops begrüßte Prof. Dr. Volker Kirchberg der Leuphana Universität die Teilnehmer*innen mit einem Impulsvortrag, bei dem er „Museen als reale Utopien“ (Originaltitel: „Museums as Real Utopias: Their visionary dimension for the city“) beschrieb. Volker Kirchberg erforscht in seinen Studien die soziale Dimension von Museen und beschäftigt sich mit Aspekten kultureller Nachhaltigkeit. Dabei befasst er sich insbesondere mit der Frage, was in den Köpfen der Menschen passiert, wenn sie mit dem Thema Nachhaltigkeit konfrontiert werden und wie aufklärerische Themen ohne Ablehnung implantiert werden können. Aus seinem Verständnis als Stadtsoziologe heraus, wurde die Studie ebenso durch die Frage geleitet, inwieweit Museen eine Ressource und ein Raum für eine visionäre Stadtentwicklung sein können. Nach Kirchberg fungieren Museen als Antreiber sozialen Wandels und damit als gesellschaftliche Akteure, die Möglichkeitsräume eröffnen können.

Der amerikanische Soziologe Erik Olin Wright etablierte den Begriff der „realen Utopien“. Um solche realen Utopien formulieren zu können, müssen nach Kirchberg drei Fragen gestellt werden: Was wünschen wir uns? Was ist machbar? Und was können wir umsetzen – unter Berücksichtigung existierender Hindernisse? Als besonders herausfordernd hob Kirchberg dabei die Konkretisierung des Möglichen zwischen dem Wünschenswerten und dem Machbaren hervor, da deren Divergenzen immer zugunsten des Machbaren gelöst werden.

Volker Kirchbergs Studie zur sozialen Dimension von Museen, die mit 85 Kulturinstitutionen in Hannover durchgeführt wurde, ergab, dass Denken in Utopien als verschwenderischer Luxus angesehen wird. Darüber hinaus verhindert Bürokratie, dass Museen sich überhaupt mit Utopien beschäftigen. Er fordert deshalb, dass Museen ihre Mitarbeiter*innen ermuntern, mit Visionen zu arbeiten und Barrieren, die dem entgegenstehen, abgebaut werden. Kirchberg begreift kleine Initiativen als Positivbeispiele im utopischen und visionären Denken und stellt fest, dass es große Institutionen aufgrund gefestigter bürokratischer Strukturen und Hierarchien schwerer haben in Utopien zu denken.

Unter den Teilnehmer*innen des Workshops waren auch Theaterschauspieler*innen und Musiker*innen anwesend, die den Impuls aufgriffen und aus dem Alltag in einem Kulturbetrieb jenseits der Museumswelt berichteten. Es wurde sehr schnell deutlich, dass alle Betriebe die gleichen Missstände anprangern: Politiker*innen, die vom Wesen des Kulturbetriebs nichts verstehen und in der Öffentlichkeit die große Bedeutung der Kultur herausstellen, aber in der Umsetzung nicht nach diesen Äußerungen handeln. Der Tenor der Workshopsteilnehmer*innen: Die Hierarchie des Geldes wird nicht nur bei der Zuteilung von Mitteln an die einzelnen Kulturbetriebe deutlich, sondern auch innerhalb der Gehaltsstrukturen, wobei ein nachhaltiges Verteilungssystem gefordert wird. Es klafft eine enorme Lücke zwischen den Gehältern der Kulturschaffenden, den Kulturmanagenden und den Verwaltenden. Die Bezahlung von Kreativschaffenden darf sich nicht an der Grenze des physisch Machbaren bewegen. So eine erste Zwischenanalyse zum Thema „Museum der Zukunft“.

Nach Kirchbergs Impuls wurden die Teilnehmer*innen des Workshops in die drei vorbereiteten Szenarien eingeführt und zur Diskussion eingeladen: Was ist das Museum in Zeiten der Post-Globalisierung, das demokratische und ehrenamtliche Museum in der Postwachstums-gesellschaft oder das digitale Museum? Die Szenarien und die Diskussion haben wir im Folgenden festgehalten.

Szenario 1: Das Museum in Zeiten der Post-Globalisierung

„Die Energiekrise hat sich so sehr zugespitzt, dass die globale Staatengemeinschaft einen radikalen Schritt unternimmt: Es dürfen keine nichterneuerbaren Rohstoffe mehr gewonnen werden. Dies hat unmittelbare Auswirkungen auf Wirtschaft, Natur, Kultur und Mobilität. Von den Vorgaben ausgenommen ist die Versorgung durch Grundnahrungsmittel zwischen den Staaten und Kontinenten – die individuelle Mobilität ist jedoch eingeschränkt. Autos und Flugzeuge sind bis auf Weiteres abgeschafft. Das betrifft natürlich auch den kulturellen Sektor und die Museumsarbeit sehr stark: Der Austausch von Leihgaben kann nicht wie gewohnt stattfinden, Kurator*innen können nicht um die Welt reisen, um sich Inspiration zu holen, Besucher*innen aus fernen Ländern können nicht anreisen.“

Inwiefern schränkt uns dieses Szenario ein, schafft vielleicht aber auch neue Freiheiten? Wie verändert sich unser Umgang mit Kultur? Wie kann das Museum unter diesen Bedingungen seinen Kernaufgaben Sammeln, Bewahren, Forschen, Vermitteln und Ausstellen nachkommen und gleichzeitig nachhaltig im ökologischen und sozialen Sinne agieren?

Wir stellen direkt zu Beginn unserer Diskussion fest, dass ein solches Szenario ein radikales Umdenken des traditionellen Ausstellungsbetriebs bedeutet. Daraus ergibt sich ein großes Potenzial: Auch wenn weit entfernte Orte und Ausstellungen nicht mehr besucht werden können, muss das nicht in einer lokalen, kulturellen Abschottung münden. Das Museum selbst kann zum Ort des Urlaubs werden, wenn Individualreisen nicht mehr möglich sind. Exponate aus aller Welt können digitalisiert und via Virtual-Reality- bzw. Augmented-Reality-Technik zugänglich gemacht werden. So ergeben sich neue, hybride Ausstellungsformate und vielfältige Möglichkeiten, digital geliehene Objekte mit der eigenen Sammlung zu kombinieren. Kunstwerke, die man aufgrund von Entfernung oder fehlender finanzieller Mittel nie besuchen könnte, werden so erlebbar gemacht.

Solche neuen Formate stellen das Museum aber auch als alleinige Ausstellungsfläche in Frage. Vielmehr sind wir uns einig, dass das Museum Flächen außerhalb seines Gebäudes bespielen und neue Räume erschließen muss, vor allem mit digital erfahrbaren Formaten. So kann der Besuch einer Ausstellung weiterhin ein Gemeinschaftserlebnis sein und man erreicht durch die stärkere Präsenz im öffentlichen Raum mehr Menschen. Gleichzeitig können die traditionellen Ausstellungsflächen in den Gebäuden verkleinert und im Rahmen einer Public-Private-Partnership genutzt werden. Zum Beispiel könnte mit karitativen Einrichtungen zusammengearbeitet werden, auf grünen Freiflächen könnten Obst- und Gemüsegärten entstehen.

Insgesamt muss sich das Museum der Gesellschaft radikal öffnen, sowohl im sozialen als auch im räumlichen Sinne, um seinen Aufgaben unter diesen Bedingungen gerecht zu werden und seine kulturelle Relevanz zu bewahren.

Szenario 2: Das demokratische und ehrenamtliche Museum in der Postwachstumsgesellschaft

„Die fortschreitende Klimakrise hat auch zu einem Umdenken über das Wirtschaftssystem geführt. Die Arbeitszeit wurde reduziert, ein Grundeinkommen für alle ist implementiert und es ist selbstverständlich geworden, sich ehrenamtlich zu engagieren. Dies hat enormen Einfluss auf die Arbeit im Kulturbereich, wo hierarchische Strukturen komplett aufgelöst wurden und kreative wie administrative Aufgaben vor allem von ehrenamtlich tätigen Personen ausgeführt werden. Im Zuge dieses Demokratisierungsprozesses werden Museen in die Hände eines gewählten Bürger*innenbeirats gegeben, der kollektiv über die Prozesse und Strukturen des Hauses entscheidet. Der Rat wird nach einer bestimmten Periode von der Bevölkerung neu gewählt. Es gibt Verfahren, die greifen, sollte ein Mitglied seine Rolle missbrauchen.“

Welche transformativen Prozesse können so für die Museumsarbeit angestoßen werden? Kann ein Museum so funktionieren? Wie verändert sich das Museum? Wo könnten Vorteile und Nachteile liegen? Was passiert mit dem Team? Wer kuratiert Ausstellungen? Verändern sich Zielgruppen, das Gebäude an sich? Führt dies wirklich zu einer Demokratisierung des Museums?

Wir beginnen die Diskussion mit der Frage, was das Wesen eines Bürger*innenbeirats und des Ehrenamtes ist und stellen fest: Unabhängig ob bezahlt oder ehrenamtlich, ob sich gemeinschaftliche Projekte erfolgreich organisieren lassen, steht und fällt mit den Menschen, die zusammenarbeiten. Man muss hinter dem stehen, aber auch verstehen, was man macht. Wir fragen uns, wie essenziell es ist, die Prozesse in einem Kulturbetrieb zu kennen, um sie nicht nur ändern, sondern auch verwalten zu können. Weder ein Museum, noch ein Theater oder Konzerthaus, wird nur von Expert*innen oder Vertreter*innen aus der Politik getragen, sondern auch von der Stadtgesellschaft. Gebäude werden durch Steuern subventioniert und die Institutionen zusätzlich durch Einnahmen der selben Steuerzahler*innen finanziert. Dieser Umstand rechtfertigt die Forderung, kulturelle Räume für alle zu öffnen und den Bürger*innen mehr Mitspracherecht zu geben. Orte, die permanent von der Gesellschaft finanziert werden, sollten auch für alle frei zugänglich sein. Dies wäre ein erster Schritt zur Demokratisierung des Museums. An dieser Stelle könnte ein Bürger*innenbeirat vorgeben, wie die Institution genutzt werden soll und über flache Hierarchien zu gemeinschaftlichen Einigungen kommen, welche Ausstellungen und welche Exponate man zeigen sollte. Die Frage, inwieweit ein Bürger*innenbeirat dafür auch mit Expertise und Kompetenzen ausgestattet sein muss, bleibt offen. Wir Diskutierenden selbst sind in unserem Denken so weit in den vorhandenen Strukturen verhaftet, dass es uns schwerfällt, jenseits dieser organisch gewachsenen Gefüge zu denken.

Sind (kunst-)historische, betriebswirtschaftliche oder Vermittlungskenntnisse wirklich essenziell, um einen Kulturbetrieb erfolgreich zu führen? Dabei denken wir innerhalb des Szenarios in einer Welt, in der das Ehrenamt losgelöst von monetären Bedürfnissen ausgeübt wird. Jede*r Bürger*in erhält ein bedingungsloses Grundeinkommen.

Von der Freiheit, nicht für Geld arbeiten zu müssen, kommen wir zur Freiheit, über die eigene Zeit zu bestimmen und zu der Frage von gelebter Demokratie. Das Szenario gibt vor, dass eine Instanz das Museum an den Bürger*innenbeirat „übergibt“. Ein Akt, der genaugenommen nicht demokratisch ist. Wir werfen die Frage auf, ob es nicht eher eine Aneignung durch die Bürger*innen selbst geben sollte? Eine Selbstermächtigung bis hin zur Selbstverwirklichung aller Gruppen einer Gesellschaft würde nicht nur die Motivation der Beteiligten hochhalten, ohne dass die Institution zu einer Bürde wird, sondern wäre eine Möglichkeit, veraltete Strukturen aufzulösen. Man muss das Elitäre wegdenken, um die Barrieren aufzubrechen. Die Bevölkerung nimmt Theater, Museen und andere Kultureinrichtungen evtl. auf eine bestimmte Art und Weise wahr, die nicht mit dem Bild derer übereinstimmt, die sie führen. Dadurch entsteht eine Diskrepanz zwischen Kulturschaffenden und der Akzeptanz innerhalb der Bevölkerung.

Befasst man sich mit der Frage, was Demokratie tatsächlich bedeutet und wie demokratisch alle Mitglieder einer Stadtgesellschaft in einem Bürger*innenbeirat abgebildet sein können, wirft dies auch Diversitätsfragen auf. Nicht nur sollte sich der Beirat mit Diversitätsfragen innerhalb der Institution befassen, sondern zunächst auch selbst divers aufgestellt sein. Dabei möchten wir nicht für alle Gruppen, die eine Gesellschaft ausmachen eigene Institutionen schaffen, sondern die, die bereits existieren, offen für alle gestalten.

Rege beteiligt an der Diskussion ist auch ein Vertreter der Diözese und wir stellen fest, dass die Kirche seit jeher ein sozialer Ort, ein kultureller Raum ist. Die Institution Kirche jedoch ist streng hierarchisch organisiert, wodurch ihr die Funktion als kultureller und gesellschaftlicher Begegnungsraum wegzubrechen droht. Museen und Theater kämpfen auf ähnlicher Ebene um ihre Relevanz und können sich an ersten Lösungsansätzen, die vor allem für alte Kirchengebäude bereits existieren, ein Beispiel nehmen. Viele Kirchenräume werden umgewidmet, die religiösen Strukturen aufgeweicht und die Gebäude als kulturelle Begegnungsstätten erweitert, sodass ihnen eine neue Bedeutung zukommt.

Ausgehend vom Beispiel der Kirche fragen wir uns, inwieweit in Institutionen, die streng hierarchisch aufgebaut sind, der Blick von außen fehlt, um Veränderung und damit einhergehend Modernisierung anstoßen zu können. Wir stellen fest, dass wir die richtigen Methoden brauchen, um das Mitmachen zu fördern. Als Vorbilder können dabei Prototyping und Design Thinking Prozesse fungieren, bei denen Zielgruppen vorab um ihre Meinung gebeten und neue Ideen an der Zielgruppe getestet werden. Wichtig ist, dass dem Feedback dann auch Raum und Gewicht gegeben wird.

Szenario 3: Das digitale Museum

„Während der Corona-Pandemie wurden die Museen wieder und wieder über Monate geschlossen. Auch mit der Energiekrise droht eine Schließung der Betriebe, um Kosten zu sparen. In den letzten Jahren haben sich Museen allerdings auch zunehmend digitalisiert, vielseitige Onlineangebote und umfassende Internetpräsenzen geschaffen. Sammlungen, Führungen und Hintergrundinformationen sind über Webseiten und soziale Netzwerke zugänglich. Dies stellt die Funktion des Museumsgebäudes in Frage und wirft die Überlegung auf, inwiefern das Gebäude überhaupt benötigt wird, ohne Museen generell abzuschaffen.“

Was würde passieren, wenn es Museumsgebäude nicht mehr gäbe und damit auch keinen physischen Raum, den man besuchen könnte? Was würde mit den Objekten passieren? Würde die Sammlung nur noch digital zugänglich sein? Wie sähe der Museumsbesuch, wie Führungen aus? Wie würden Ausstellungen kuratiert werden und könnte nun jede*r Kurator*in sein? Wie würde das gebäudelose Museum das kulturelle Gedächtnis beeinflussen? Und welche neuen Nutzungsmöglichkeiten würden sich für die nun leerstehenden (öffentlichen) Gebäude ergeben?

In der Diskussion werden schnell sowohl die Chancen als auch die Risiken dieses Szenarios deutlich. Museen werden sich im digitalen Bereich deutlich besser aufstellen müssen, als es bisher der Fall ist. Dadurch sind sie jedoch auch in der Lage, verstärkt mit anderen Häusern zu kooperieren und damit Synergien zu schaffen. Objekte können im digitalen Raum beispielsweise in mehreren Ausstellungen und von mehreren Museen gleichzeitig verwendet, Datenbanken miteinander verknüpft werden. Gleichzeitig kann ein rein digital arbeitendes Museum auch Außenstehenden die Möglichkeit geben, eigene Ausstellungen zu kuratieren und ortsunabhängig darauf zuzugreifen. Angebote aus dem Bereich der Augmented und Virtual Reality lassen sich in ein digitales Museum problemlos integrieren. Die Objekte sind dadurch zusätzlich, ein Fortbestehen der Depots vorausgesetzt, besser vor Schäden geschützt als im analogen Ausstellungsbetrieb. Augmented und Virtual Reality verändern heute schon Theaterproduktionen. Digitale Bühnenbilder sind an verschiedenen Spielorten mit minimalem Aufwand gleichzeitig einsetzbar. Es wird bedeutend weniger Material notwendig. Das Zuschauer*innenerlebnis kann dabei nach wie vor analog stattfinden. Dabei ist Digitalität keineswegs ressourcenschonend, da die Datenverarbeitung und -speicherung große Mengen CO₂ sowie Rohstoffe verbrauchen. Insofern muss ebenso wie das analoge Erlebnis auch das digitale umweltschonend und energieeffizient gestaltet werden.

Ein digitales Museum, insbesondere wenn es partizipativ arbeitet, wird einen stärkeren Schwerpunkt auf die Qualitätssicherung legen müssen. Außerdem sollte sichergestellt werden, dass die sozialen Aspekte eines Museumsbesuchs auch im digitalen Raum erhalten bleiben. Ferner müssen die Museen klären, inwieweit sie über die nötigen Rechte verfügen, ihre Bestände digital auszustellen.

Neue Möglichkeiten ergeben sich auch bei dem Gedanken „Space as a Service“ zu nutzen. Bei diesem Konzept können private oder gewerbliche Räume an eine Kulturinstitution ausgeliehen werden, sodass diese Flächen öffentlich und gemeinschaftlich genutzt werden können. Das Prinzip wäre in beide Richtungen vorteilhaft, da auch die Räumlichkeiten eines Museums oder Theaters für Veranstaltungen jenseits des eigentlichen Zwecks zur Verfügung gestellt werden können.

Fazit

Eine Gemeinsamkeit, die sich bei allen diskutierten Szenarien ergeben hat, ist, dass Kulturinstitutionen einer stärkeren Interaktion mit der Gesellschaft bzw. einer radikaleren Öffnung bedürfen. Grundsätzlich ist ein Museum ein Begegnungsraum, sowohl in der analogen als auch der digitalen Welt, der als solcher vor allem in Zeiten von Krisen für die Gesellschaft erhalten und sogar erweitert werden muss. Um dies vor allem ressourcenschonend und effizient erreichen zu können, muss eine stärkere Vernetzung der Institutionen untereinander angestrebt werden, sodass Kräfte gebündelt werden. So können gemeinsame Materialinitiativen geschaffen werden, um beispielsweise nachhaltige Ausstellungs- oder Theaterarchitekturen zu bauen. Gleichzeitig können so starke Bündnisse gegen bürokratischen Widerstand entstehen.

Ein rein digital zugängliches Angebot löst nicht nur nicht das Ressourcenproblem, sondern wird von den Teilnehmer*innen auch als dystopisches Szenario empfunden. Nichtdestotrotz können hybride Formate einen großen Mehrwert erzeugen und möglicherweise neue Zielgruppen erschließen.

Museen werden neue Methoden entwickeln müssen, um sich innovativ und kreativ mit der eigenen Struktur auseinanderzusetzen. Starke hierarchische und bürokratische Strukturen bremsen Kreativität jedoch eher aus, so dass im Zuge der Diversifizierung des Angebots einer Kulturinstitution auch die Führung und Verwaltung multiperspektivischer werden und Barrieren abbauen müssen.


Impressionen von der Utopie-Konferenz


Weiterführende Links

Offizielle Seite Utopie-Konferenz

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.