„Das Wichtigste in der Kunst ist Disziplin. Alles andere ist Humbug oder Hobbykunst.“

Gastbeitrag: Der Nachruf auf Dieter Schosser von Harald Ruppert (Schwäbische Zeitung 5.7.2021)

„Das Wichtigste in der Kunst ist Disziplin. Alles andere ist Humbug oder Hobbykunst.“ Dieter Schosser lebte nach dieser Maxime. Am 26. Juni ist er in einem Pflegeheim in Bad Schussenried im Beisein seiner Eltern gestorben.

Dieter Schosser in seinem Atelier Foto: Ruppert

Dieter Schosser war in Friedrichshafen eine einmalige Gestalt. Scharf im Urteil, kompromisslos im eigenen Anspruch, und unermüdlich im Versuch, „im Hafen“ den Boden für eine professionelle zeitgenössische Kunstszene zu bereiten. Dem 1955 in Biberach geborenen Künstler ging es nicht schlicht um eigene Profilierung. Er setzte sich für ein Talent ein, wenn er eines kannte; besorgte Ausstellungsmöglichkeiten, Kontakte zu Galeristen und diskutierte mit denjenigen, die er fördern wollte, um so zur Klärung ihrer künstlerischen Position beizutragen.

Malerei aus Grundelementen der Geometrie

Dieter Schosser wuchs in Friedrichshafen auf, machte am Graf-Zeppelin-Gymnasium Abitur und studierte ab 1976 an der Karlsruher Kunstakademie. Gerd van Dülmen war sein Lehrer, bei dem er das Arbeiten in Eitempera lernte; einer Technik, der er treu blieb. Schossers Kunst, so charakterisierte sie der Karlsruher Journalist Michael Hübl, strebte nach Vereinfachung und Verdichtung. „Oft geht er dabei zurück auf grundlegende geometrische Gebilde, auf Kreise und Dreiecke etwa.“ Der Komposition dieser Elemente, aus denen sich die Welt der Dinge zusammensetzt, widmete er sich obsessiv. Seine Malerei glich einer unablässigen Befragung der sinnlich wahrnehmbaren Welt – mit einer Beharrlichkeit, die an Wittgenstein erinnerte, dessen „Tractatus logico-philosophicus“ er jederzeit aus der Jackentasche ziehen konnte.

Das Bodensee-Museum kaufte seine Malerei

Dieter Schosser erhielt gleich zweimal einen Preis der Karlsruher Akademie. 1984 bekam er ein Stipendium der Kunststiftung Baden-Württemberg. 1988 wurde er mit dem Künstlerförderpreis der Stadt Friedrichshafen ausgezeichnet, der im Jahr zuvor ins Leben gerufen worden war. 1989 stellte er im Städtischen Bodensee-Museum aus, das für die Kunstsammlung der Stadt auch Arbeiten von ihm ankaufte. Auch die Artothek im Medienhaus hat seine Kunst im Bestand.

Dieter Schosser Ohne Titel 1988, Kunstsammlung Zeppelin Museum Friedrichshafen Foto: Niehoff

Schosser holte renommierte Künstler nach Friedrichshafen

Nach vielversprechenden Anfängen stagnierte nicht Dieter Schossers Kunst, aber seine Laufbahn. Er bekam nicht die Anerkennung, die seinem Potenzial entsprochen hätte. Trotzdem machte er unbeirrt weiter. „Wenn man professionell arbeitet, gibt es kein Jammern“, sagt er. In Ausstellungen machte er darüber hinaus seine ehemaligen Karlsruher Künstlerkollegen in Friedrichshafen bekannt, etwa den Grafiker Peter Weißhaar und den Bildhauer Jörn Kausch. Im Hotel Goldenes Rad organisierte er erstklassige Ausstellungen von Herbert Kitzel oder Dieter Krieg.

Künstlerischer Aufschwung in den letzten Jahren

Ausstellung Hotel Goldenes Rad „Was hübsch ist, kann nicht schön sein“ 2016 Foto: Ruppert

In seinen letzten Jahren arbeitete Dieter Schosser auch noch schwer erkrankt mit einer neu gewonnenen Euphorie und Freiheit an seiner Kunst. Er brachte die kleinformatige Reihe seiner „Dailys“ hervor, von denen jeden Tag ein neues Blatt entstand. Auch viel Großformatiges brachte er hervor, wobei er mit fast allen denkbaren Materialien auf den verschiedensten Untergründen malte.

„Was hübsch ist, kann nicht schön sein“

Ausstellung Hotel Goldenes Rad „Was hübsch ist, kann nicht schön sein“ 2016 Foto: Ruppert

Eine letzte Gelegenheit, seine Arbeiten auszustellen, hatte Dieter Schosser 2016 im Hotel Goldenes Rad, unter dem Titel „Was hübsch ist, kann nicht schön sein“. Ein Großteil seiner Kunst ist immer noch ungezeigt. Wir sollten uns wünschen, sie sehen zu dürfen.

Dieter Schosser wird am Mittwoch, 14. Juli, um 14 Uhr auf dem Friedhof in Ailingen beigesetzt.

Die Galerie Knecht und Burster in Karlsruhe, Baumeisterstraße 4, zeigt vom 9. Juli bis 17. August Arbeiten von Dieter Schosser. Die Eröffnung ist am Freitag, 9. Juli, von 17 bis 20 Uhr.

Harald Ruppert ist Redakteur der Schwäbischen Zeitung, Friedrichshafen. Der Artikel erschien ursprünglich in der Schwäbischen Zeitung am 5.7.2021.

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