Die Englandfahrt des LZ 127 „Graf Zeppelin“ vom 2. bis 4. Juli 1932

Die Fahrt begann am 2. Juli 1932 um 7.11 Uhr in Friedrichshafen bei regnerischem Wetter. Dr. Hugo Eckener hatte das Kommando. 44 Mannschaftsmitglieder, zwölf Passagiere und 16 kg Luftpost waren an Bord des Zeppelins.

Der Regen wurde immer stärker und alle fünf Motoren des LZ 127 waren in Betrieb. Der Weg führte rheinabwärts über Konstanz, Schaffhausen und Basel. Dann überquerte der Zeppelin Frankreich, wo es sehr windig war, und erreichte um 16.02 Uhr Calais und den Ärmelkanal. 16.34 Uhr wurde England gesichtet und bei Sandwich fuhr LZ 127 in einer Höhe von 300 Metern. Kurz vor 18 Uhr war der Zeppelin über London und drehte über dem Hanworth Aerodrome einige Runden – gemeinsam mit einem riesigen Lufthansa-Flugzeug Junkers G 38.

Dann fuhr der Zeppelin weiter nach Brooklands. Dort verneigte er sich vor dem Herzog und der Herzogin von York. Für die Herzogin wurden zwei Blumenbouquets abgeworfen. Dann ging es zurück nach Hanworth, wo der Zeppelin eine perfekte Landung hinlegte, was allgemein Bewunderung hervorrief.   

 Die Bodenmannschaft bestand aus rund 200 Middlesex Rover Scouts, die die Halteseile hielten. Als das Luftschiff am Boden festgemacht war, begannen die Passagiere, auszusteigen.

Die Großbritannien-Rundfahrt

Für etwa eine halbe Stunde blieb der Zeppelin am Boden. Champagner und Kaviar wurden an Bord genommen. Geplant war, dass 19 Passagiere mitfuhren. Doch drei Deutsche konnten nicht gefunden werden. Mannschaftsmitglieder riefen mit Megaphonen, doch die drei tauchten nicht auf. Daraufhin wurden für die drei freien Plätze Ersatzpassagiere gesucht und natürlich auch gefunden.

Um 19.48 Uhr stieg LZ 127 „Graf Zeppelin“ wieder auf und fuhr in Richtung Portsmouth. Gegen 22 Uhr erreichte der Zeppelin London und drehte dort zwei Runden mit erleuchteten Gondeln, während die Passagiere ein Champagner-Dinner genossen.

Am 4. Juli 1932 schrieb der „Glasgow Herald“:

„Colonel Warwick Wright war ein Passagier der Rundfahrt. Er erzählte einem Reporter, es sei die wundervollste Erfahrung gewesen, die er jemals gemacht habe.“

 Der Zeppelin fuhr weiter in Richtung Norden, wo es immer wolkiger wurde und das Luftschiff in einen Regensturm geriet. Es änderte seinen Kurs westlich in Richtung Bristol, um die Schlechtwetterfront zu vermeiden.

Ein anderer Passagier sagte:

„Erstaunlich ist die absolute Stille in dem Luftschiff.  Nur wenn du über den Maschinen bist, hörst du etwas Lärm.“

Kurz nach sechs Uhr morgens fuhr der Zeppelin über Glasgow. Da er dort noch nicht so früh erwartet wurde, haben ihn nur wenige Menschen gesehen. Viele Einwohnerinnen und Einwohner von Glasgow waren enttäuscht.

Inzwischen war das Wetter brillant: Die Sonne ging auf und der Himmel war fast wolkenlos. Die silbergraue Hülle des Zeppelins glänzte im Sonnenlicht.

Die Reise führte nun südwestlich von Glasgow nach Govan, wo LZ 127 wieder einige Runden drehte. Dann fuhr der Zeppelin ostwärts, obwohl das ursprünglich gar nicht geplant war. Als die Maschinen kurz nach fünf Uhr morgens über Edinburgh dröhnten, rannten einige der Einwohnerinnen und Einwohner zu ihren Fenstern, um das Luftschiff, das in niedriger Höhe fuhr, zu sehen. Viele aber schliefen noch und bekamen den Besuch des Zeppelins gar nicht mit.

Anschließend fuhr das Luftschiff wieder in Richtung Glasgow und folgte dem Fluss Clyde, während die Passagiere frühstückten.

9.55 Uhr erreichte LZ 127 die Isle of Man. Die Sicht war schlecht wegen tiefhängender Wolken und zeitweiligem Regen. Dann wurde das Luftschiff um 10.36 Uhr über der Irischen See gesichtet, als es in Richtung Liverpool fuhr. Danach ging es in Richtung Birmingham weiter, wo LZ 127 um 13 Uhr eintraf.

Die Route führte dann von Gloucester über Newport und Bristol nach Southampton, wo der Zeppelin um 17.31 Uhr ankam. 19.43 Uhr landete LZ 127 „Graf Zeppelin“ wieder unter Mithilfe der Middlesex Rover Scouts in Hanworth.

Rundfahrt über London

Tausende von Menschen in ganz London konnten das Luftschiff auf seiner letzten Runde während der Englandfahrt 1932 beobachten. An Bord waren 32 Passagiere und eine Crew von 35 Personen unter der Führung von Dr. Hugo Eckener. Der Zeppelin absolvierte eine Abendfahrt von etwa anderthalb Stunden über London und Umgebung. Natürlich führte die Route auch an der St. Paul’s Cathedral und der Tower Bridge vorbei.

Kurz bevor das Luftschiff losfuhr, gab es einen aufsehenerregenden Zwischenfall, über den die „Daily Mail“ am 4. Juli berichtete:

„Der Wind frischte plötzlich auf. Eines der Halteseile riss und warf die etwa 50 Scouts, die das Seil hielten, zu Boden. Der Bug des Schiffes stieg leicht nach oben und der Zeppelin schwang langsam hin und her. Ein Alarmschrei war zu hören. Deutsche Kommandos wurden gerufen. Ein neues Halteseil wurde nach unten geworfen und die Scouts, die unverletzt waren, ergriffen es. Sie hatten den Zeppelin wieder unter Kontrolle.“

Vor der Abfahrt des Luftschiffes nach Deutschland durfte die Menschenmenge, die hinter Absperrungen gestanden hatte, auf den Landeplatz und hatte einen nahen und besseren Blick auf das Schiff. Dr. Eckener bedankte sich beim obersten Offizier der Rover Scouts, beim Superintendenten der Polizei, bei der Feuerwehr und anderen, die mitgeholfen hatten, den Zeppelin zu halten. Einem nach dem anderen dankte der Luftschiffkapitän persönlich und schüttelte ihnen warmherzig die Hand. Er sagte, dass das Luftschiff noch nie von einer Haltemannschaft so brillant gehandhabt wurde wie von den Middlesex Rover Scouts. Danach bot Dr. Eckener an, drei der Scout-Anführer mit nach Deutschland zu nehmen und „sie mit einer sicheren, aber langsameren Methode – dem Zug – wieder zurückzuschicken“.

Zwei der Anführer, die ihre Ehefrauen dabeihatten, lehnten die Einladung ab. Aber der Sekretär Roberts nahm das Angebot an und erhielt einen Schlafplatz.

Heimfahrt nach Friedrichshafen

LZ 127 „Graf Zeppelin“ war weniger als eine halbe Stunde auf dem Landeplatz von Hanworth, als es um 22.10 Uhr wieder aufstieg, um nach Friedrichshafen zu fahren. Die gesamte Mannschaft unter der Führung von Eckener und 14 Passagiere inklusive des Sekretärs Roberts waren an Bord.

Zuerst fuhr das Luftschiff nochmals an der Tower Bridge vorbei und dann südwärts in Richtung Margate.

Das niederländische Vlissingen wurde um 23.28 Uhr erreicht. Um 3.20 Uhr war der Zeppelin über Bad Kreuznach, fuhr dann über Mannheim und Pforzheim und war um 4.30 Uhr über Tübingen. Um 6.16 Uhr kam das Luftschiff in Friedrichshafen an und die Landung erfolgte sanft und problemlos zwanzig Minuten später.

Quellen:

Duggan, John: Graf Zeppelin Flights to England, Ickenham 1998

Fahrtberichte Nr. 253-256 des LZ 127 „Graf Zeppelin“ aus dem Archiv der Luftschiffbau Zeppelin GmbH

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.