Die Wettfahrt um die Welt beginnt …

Der Auftakt

Vor der großen Fahrt um die Welt wurde LZ 127 gründlich gewartet und erprobt. Am ersten August 1929 hob der Zeppelin unter der Führung von Luftschiffkapitän Dr. Hugo Eckener in Friedrichshafen ab. Eckener beschreibt die erste Strecke nach Lakehurst:
„Sie dauerte volle 95 Stunden, weil sie teilweise gegen stürmische Westwinde durchzukämpfen war. Um so wertvoller war sie daher für die Erprobung der Motoren, die sich glänzend bewährten.“

Zu Teil 1

Kurz und bündig berichtet Kapitän Hans von Schiller:
„Wie immer vollbesetzt startete der ‚Graf‘ am 1. August 1929 nach USA. Die Hinfahrt verlief allerdings langsam an Hand von Gegenwinden, hatte aber keinerlei aufregende Momente.“

Die Wettfahrt um die Welt beginnt …

Die Hearst-Presse hatte bereits im Vorfeld viel über die geplante Weltfahrt berichtet und die Werbetrommel gerührt, sodass der Zeppelin unter großer Anteilnahme der amerikanischen Bevölkerung und viel Applaus in Lakehurst landete. Dort stand eine der beiden internationalen Luftschiffhallen des Zeppelinkonzerns. Die andere befand sich in Japan.

„Graf Zeppelin“ lag drei Tage in Lakehurst.

Am siebten August wurden die Passagiere der amerikanischen Weltfahrt abgeholt und an Bord genommen. Kapitän Albert Sammt zählt einige davon auf:

„Lady Grace Drummond-Hay und Karl H. von Wiegand von der Hearst-Presse, der Photograph Robert Hartmann und der Milliardärssohn William Leeds. Die Passagiere Sir Hubert Wilkins (der bekannte Arktisforscher), der spanische Leutnant Joachim Rickard und der deutsche Journalist Heinz von Eschwege-Lichberg kamen schon von Friedrichshafen mit uns und fuhren auch wieder dorthin zurück. Neben den Journalisten waren auch einige zahlende Passagiere an Bord. Von den Regierungen aller Länder, die wir bei der Weltfahrt überfahren wollten, wurden uns je ein oder zwei Herren beigeordnet: der russische Geograph Karklin, von Japan Korvettenkapitän Fuiyoshi (von Friedrichshafen nach Tokio) sowie Major Shibata und Korvettenkapitän Kusaka (von Tokio nach Los Angeles) und von der amerikanischen Marine Commander Charles E. Rosendahl und Leutnant Richardson. Diese Herren begleiteten uns auf der Reise, um uns behilflich sein zu können, wenn es Schwierigkeiten über ihrem Land geben sollte.“

Passagiere der Weltfahrt mit Kapitän Lehmann im Speisesaal: Leutnand Richardson, Commander Rosendahl, Dr. Megias, Richard Leeds, unbekannt, Lehmann und Wilkins

Bei der Zuordnung von Joachim Rickard muss Albert Sammt etwas verwechselt haben. Rickard war kein spanischer Leutnant, sondern ein amerikanischer Journalist.

Rosendahl kommandierte den amerikanischen Zeppelin „USS Los Angeles“, den Hugo Eckener im Oktober 1924 als ‚Reparationsluftschiff in die Vereinigten Staaten gebracht hatte.

Heinz von Eschwege-Lichberg war für den deutschen Scherl-Verlag an Bord, und Lady Hay war den Zeppelinern ohnehin bereits bekannt, war sie doch schon mehrmals mitgefahren. Dieses Mal hatte sie ihr kleines Kätzchen mitgebracht. Ob sie auch ein Katzenklo dabeihatte, ist nicht überliefert.

Lady Hay mit ihrer Katze

Dichtes Gedränge herrschte in Lakehurst, als LZ 127 „Graf Zeppelin“ nun offiziell zur großen Fahrt um die Welt aufbrach. Hugo Eckener erinnert sich:

„Unter dem großen Zulauf von Zehntausenden von Neugierigen ging am späten Abend des siebenten August der Aufstieg zur Weltfahrt vor sich. Wir machten eine Abschiedsschleife über New York, das mit Millionen Lichtern sinnberückend herrlich zu uns hinaufstrahlte, dann verschlang uns das Dunkel einer etwas diesigen Nacht. Wein wurde aufgetischt und wir tranken in der behaglichen kleinen Kabine ein Glas auf das glückliche Gelingen der Fahrt, ehe man sich schlafen legte. Die Schreibmaschinen der Berichterstatter aber klapperten fast die ganze Nacht hindurch, ein Ton, der uns nun tagelang ständig in den Ohren lag. Denn was alles sollten wir erleben!“

Zunächst verlief die Fahrt über den Atlantik aufgrund wechselnden Wetters etwas holprig, wurde dann aber zunehmend ruhiger. Bei Neufundland wurde das Schiff von einem starken Rückenwind erfasst.

Auf der ersten Etappe der amerikanischen Weltfahrt sowie auf der letzten der deutschen Weltfahrt – also immer auf der Strecke von Lakehurst nach Friedrichshafen – hatte das amerikanische Sherry Netherland Hotel die Bordgastronomie übernommen.

Speisekarte der Graf Zeppelin von Lakehurst nach Friedrichshafen

Am ersten Reisetag gab es zum Frühstück: „Grape Fruit, Scrambled Eggs, Cereals, Coffee, Milk and Cream, Marmalade“.

Thematisch passend zur Weltfahrt war das Speiseangebot während der gesamten Tour international inspiriert. Das Sherry Netherland Hotel offerierte beispielsweise folgendes Mittagsmenü: „Caviar on Toast, Green Turtle with Madeira, Boneless Squab Chicken Veronique, Peas Bonne Femme, Strawberries Romanoff, Sherry Dry Cakes, Coffee“.

Kapitän Eckener war sehr zufrieden mit dem gelungenen Start und skizziert die nächsten Ereignisse:

„Unter uns schäumte das Meer in mitlaufenden Wellen. So waren wir denn schon nach 45 Stunden vor dem Kanaleingang und standen um Mitternacht europäischer Zeit über der französischen Küste.
In diesem Augenblick kamen ein paar Passagiere mit einem gefüllten Sektglas in die Führergondel hinein, um mich zu begrüßen: Mein Geburtstag, an den ich gar nicht gedacht hatte, war eben angebrochen. Ich muß gestehen, daß ich dieses Mal den üblichen Glückwünschen zum Geburtstage einige Bedeutung beimaß. Denn ich hatte einiges an Bedeutsamkeit für das beginnende Lebensjahr vor.
Wir flogen im ersten Morgengrauen über Paris und beobachteten mit Interesse in der noch schlafenden Stadt den Zustrom von ungezählten Fuhrwerken und Karren zu den Markthallen. Kurz vor Mittag landeten wir in Friedrichshafen nach einer Fahrt von 55 Stunden. Ein guter Anfang der Reise, die noch mit etwa 20.000 Kilometern, je nach der Route, die wir unterwegs wählten, vor uns lag.“

FORTSETZUNG FOLGT…

Bilder: ©Archiv der Luftschiffbau Zeppelin GmbH

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