Sommer 1909: Die weltweit erste ILA – Internationale Luftschifffahrt-Ausstellung

Am 10. Juli 1909 startete in Frankfurt am Main die allererste ILA. Die Idee, alle Bereiche der Luftfahrt auf einer internationalen Schau auszustellen, entstand im Herbst 1908 im Kreise Münchner Ballonfahrer und Luftfahrtenthusiasten. Da aber in Bayern keine große Begeisterung für die geplante Massenveranstaltung aufkam, wandte sich der Münchner Paul Gans-Fabrice an Verantwortliche in Frankfurt, die sich sofort als Gastgeber der Veranstaltung bereit erklärten.

Außerdem war zwei Jahre zuvor die bis dato größte Kuppelhalle Europas für derartige Zwecke erbaut und eröffnet worden, so dass dieser Ort als ideal erschien.

Finanziert werden sollte die ILA durch einen Garantiefonds. Innerhalb kürzester Zeit kamen 1,25 Millionen Mark und 200.000 Mark an Preisstiftungen zusammen.

Während der 100-tägigen Luftfahrt-Schau zeigten unzählige Ballonfahrer, Luftschiffer und Flugzeugpiloten aus aller Welt ihr Können und begeisterten die Massen.

Auf der ILA gab es 12 Themenschwerpunkte:

  • Ballons und Ballonfabrikation
  • Motorballons
  • Militärluftschifffahrt
  • Signal-Dienst für Ballons
  • Gasfabrikation und Kompression
  • Wissenschaft der Luftschifffahrt
  • Feinmechanische und physikalische Apparate
  • Ausrüstungen
  • Flugapparate und Drachen
  • Motoren
  • Kunstgegenstände mit Bezug zur Luftschifffahrt
  • Spielwaren

Langsamer als eine Postkutsche…
Natürlich hat auch Graf Zeppelin mit seinen Luftschiffen die ILA besucht, um für das „starre System“ zu werben. Allerdings musste er sich etwas gedulden, denn die durch den Zusammenstoß mit dem Birnbaum verursachten Schäden an LZ 5 (wir berichteten) waren erst am 24. Juli 1909 vollständig behoben. Nach einigen kleineren Aufstiegen und der gelungenen Abnahmefahrt mit der Reichskommission, die nun LZ 5 für das Heer erwerben würde, brachen die Zeppeliner am 31. Juli zu ihrer Fahrt nach Frankfurt auf.

Um 3.15 Uhr morgens wurde in Friedrichshafen-Manzell gestartet und zunächst verlief die Fahrt auch problemlos. Doch kurz nach Biberach zogen von Westen her dunkle Wolken auf und der Wind nahm stetig zu. Kapitän Georg Hacker berichtet:

„Das Schiff kam kaum voraus. Da setzte 5 Uhr 29 eine heftige Gewitterbö unter Hagel und Regen ein. Wir gaben vor 60, in der Mitte 40 Kilogramm Ballast ab, und Direktor Colsmann wurde zur Gewichtsverlegung nach der vorderen Gondel geholt [Anm.: Alfred Colsmann wog rund 100 kg und wurde regelmäßig zur Trimmung des Luftschiffes herangezogen, wenn er mit an Bord war.].

Das Trommeln der Hagelkörner auf der Außenhülle konnten wir trotz des Motorgeräusches deutlich hören. 6 Uhr 08 standen wir in 740 Meter Höhe über Dornstadt. Wir hatten zum Zurücklegen der 10 Kilometer langen Strecke ab Ulm 53 Minuten gebraucht. Das war weniger als die Geschwindigkeit einer Postkutsche.“ 

Als wir uns gegen 7 Uhr dem Steilrand des tief eingeschnittenen Tales von Geislingen näherten, hub der Kampf mit den feindlichen Gegenwinden von neuem an. Die aus dem langgezogenen Tal der Fils kommende Luftströmung staut sich hier an den Steilwänden des Felsenkessels, stieß hoch und stürzte sich von oben mit beschleunigter Geschwindigkeit, wie eine unsichtbare Brandungswoge, auf die Hochebene. Das Luftschiff wurde 60 Meter hochgerissen und zurückgeworfen. Da gab ich dem am Höhensteuer stehenden Oberingenieur Dürr ein Zeichen, daß er steil herabgehen sollte. Ich wollte nach backbord abscheren und in ein Nebental vor Geislingen gelangen. Der Versuch gelang. 7 Uhr 34 in 830 Meter Höhe, 400 Meter über dem Boden, zogen wir in ruhiger Fahrt über den Bahnhof von Geislingen.“

Die restliche Fahrt bis Frankfurt verlief ruhig und ohne Turbulenzen. LZ 5 hatte 11 Stunden und 15 Minuten für die 391 Kilometer lange Strecke Manzell-Frankfurt benötigt. Dies entsprach einer durchschnittlichen Geschwindigkeit von etwa 33 Stundenkilometern.

Der Zeppelin auf der ILA
Um 15.15 Uhr landete der Zeppelin unter großem Jubel auf dem Ausstellungsgelände der ILA. Eine Militärkapelle spielte und Dr. Franz Adickes. Der Oberbürgermeister von Frankfurt, begrüßte die Mannschaft sehr herzlich.

Sehr zur Genugtuung der Zeppeliner traf das Luftschiff des Konkurrenten Parseval wegen widriger Winde per Bahn auf der ILA ein. Für das Parseval-Schiff war eine Zelthalle vorgesehen, während der Zeppelin im Freien verankert wurde.

Am ersten August machte LZ 5 bei schönstem Sonnenschein einen Aufstieg über dem ILA-Gelände. Außerdem wurde der Zeppelin von interessierten Ausstellungsgästen besucht. Wie der Besucheransturm bewältigt wurde, beschreibt Kapitän Hacker:

„Vor allem galt es bei uns, die Gewichtsverhältnisse richtig herzustellen. Für jeden der ausgestiegenen Herren mußte ein entsprechend gewichtiger Mann an Bord genommen werden. Das konnte auf die Dauer nicht so weitergehen. So wurde also mit der Einnahme von Wasserballast begonnen. Die Arbeit übernahmen Stahl und Lau mit den Hilfsmonteuren. Das Wasser wurde in fahrbaren Kufen längsseit gebracht und durch Druckpumpen und Schläuche in die Ballastsäcke geleitet. Außerdem wurde Brennstoff übernommen.

Um Mitternacht löste mich Dürr bei der Wache ab. Hier erfuhr ich zu meiner Freude, daß in dem Bankett, das im Weinrestaurant der Ausstellung die Stadt dem Grafen gegeben hatte, der Oberbürgermeister in einer Festrede bekanntgab, die neue, nach der Ausstellung führende Straße habe den Namen ‚Zeppelin-Allee‘ erhalten. Auch überreichte er Seiner Exzellenz eine Plakette.“   


Teil 2: Wie eine Windsbraut im Sturm…
Teil 3: Der erste Verletzte auf der ILA

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