Die Band und das Luftschiff. Oder: Wie Led Zeppelin in die Rockgeschichte einging.

„Treppe zum Himmel“ – So lautet der übersetzte Text einer der bekanntesten und auch heute noch im Radio vertretenen Rockballaden der siebziger Jahre. Das Lied bekam in dem Jahr seiner Veröffentlichung – 1971 – einiges an Gegenwind. So wurde beispielsweise spekuliert, dass, wenn man es rückwärts abspielt, mystische Botschaften zu hören seien. Für andere war und ist das knapp achtminütige Stück schlicht eines der besten Werke der Rockgeschichte. Der Gitarrist und Mitgründer soll gesagt haben, dass es nicht nur die Band in all ihren Facetten definiert, sondern auch dafür gemacht ist, die Zeit zu überdauern.

Die Rede ist von „Stairway to heaven“ geschaffen von der Gruppe mit dem bekannten Luftschiff vom Bodensee im Namen: „Led Zeppelin“. Bereits ein halbes Jahrhundert ist es her, dass dieses Phänomen der Rockgeschichte am 7. September 1968 in London gegründet wurde und damit eine völlig neue Ära dieser Genremusik durch ihren einzigartigen, außergewöhnlichen Stil einleitete. Pünktlich zu ihrem 50. Gründungsjubiläum ist es deshalb Zeit, einmal zurück zu blicken auf eine turbulente Bandgeschichte voller Höhen und Tiefen und ein paar Fragen rund um die Entstehungsgeschichte der Band zu beantworten:

Wieso eigentlich ein Zeppelin? Was hat die Hindenburg mit alledem zu tun? Wer ist von der Klippe auf einer griechischen Insel gefallen? Und was hat Barack Obama mit alledem zu tun?

Der Ballon bekommt Auftrieb
Es ist der 7. September 1968, der Tag an dem „The New Yarbirds“, aus denen später „Led Zeppelin“ hervorgehen sollte, zum ersten Mal gemeinsam auf der Bühne stehen, in Gladsaxe, Dänemark. Sie sind das Resultat der Vorgängerband „The Yardbirds“, deren ehemaliges Mitglied Jimmy Page die Gruppe nach ihrer Auflösung von Grund auf neuformieren wollte. So hatte er den Bassisten John Paul Jones engagiert, mit dem er bereits länger eine Band gründen wollte, den bis dahin noch erfolglosen Sänger Robert Plant und dessen Schlagzeuger John Bonham. „The New Yardbirds“ waren geboren.

Bereits Ende des Jahres sieht sich die Gruppe einem unerwarteten Wechsel gegenüber, denn der ehemalige Bassist von „The Yardbirds“, Chris Dreja, stellt rechtlich Ansprüche auf den Namen. Etwas Neues muss her.

Es ist die Erinnerung an eine instrumentale Produktion einige Jahre zuvor, die Page und John Paul Jones gemeinsam mit Keith Moon, Jeff Beck und dem Who-Bassisten John Westwick aufgenommen hatten, die den entscheidenden Einfall bringt. Als Page nach der Aufnahme über die mögliche Gründung einer Band nachgedacht hat, hat einer der anderen Anwesenden einen Scherz gemacht, der ihm nachhaltig im Gedächtnis geblieben ist. Das Projekt werde untergehen „wie ein bleierner Ballon“, im englischen „a lead balloon“ oder „a lead Zeppelin“, so der Kommentar.

Um keine Verwechslung mit dem Wort „lead“, zu Deutsch „führen“ zu verursachen, hat er kurzerhand den Vokal „a“ herausgekürzt und entstanden ist „Led Zeppelin“. In seiner Bedeutung ein Zeichen für den Witz und Humor der Bandmitglieder.

Mit dem neuen Namen geht auch das erste Album einher, das in den Jahren 68/69 entsteht, als „Led Zeppelin“ noch als Vorgruppe diverser Bands aufgetreten ist. Von Beginn an ist klar, dass diese Band anders ist, ihre Musik laut und offensiv, ein Mix aus Hard Rock, Folk und Blues, experimentierfreudig, gespickt mit neuartigen Klangfarben und revolutionär in ihrer Umsetzung. Sie wollen Krach machen, provozieren und ihre Alben als geschlossene Werke inszenieren. Teils ist ihre Musik sogar zu brisant um im Radio gespielt zu werden und trotzdem feiern sie mit ihren Stücken wahnsinnige Erfolge. Vor allem die Verwendung neuer technischer Geräte wie Verzerrer oder Luftstromverstäker sowie Pages doppelhalsige Gitarre, verliehen ihren Stücken Wiedererkennungswert.

Doch nicht nur mit den Liedern, auch mit dem Cover ihres Debütalbums macht „Led Zeppelin“ in ihren ersten Jahren auf sich aufmerksam. Denn ganz getreu ihres Bandnamens ist auch das Foto auf dem gleichnamigen Album in den folgenden Jahren zu einem Symbol der Band geworden, das auf Tickets, Plakaten und für Merchandisingartikeln verwendet wird.

Ein Luftschiff geht unter, ein anderes steigt auf
Am 6. Mai 1937 erreicht der Zeppelin LZ 129, die Hindenburg, das südwestlich von New York gelegene Lakehurst. Sie wird bereits von mehreren Pressevertreter, unter anderem dem Fotografen Same Shere erwartet.

Über die tatsächliche Ursache dessen, was darauf folgt, wird bis heute diskutiert.

Eventuell hat ein Seil in einer oder mehreren Gaszellen Leck geschlagen, wodurch sich ein leichtentzündliches Gemisch aus Wasserstoff und der Außenluft gebildet hat. Mit dem Herablassen der nassen Halteseile kommt es zur Entladung und das Gemisch entzündet sich.

Innerhalb von kaum einer halben Minute brennt der gesamte Zeppelin und reißt 36 der 97 Menschen an Bord in den Tod.
Sam Shere schafft es in der kurzen Zeit nicht einmal die Kamera an sein Auge zu halten, drückt bereits auf Hüfthöhe den Auslöser und es entsteht ein Bild, das nicht nur zu einer der bekanntesten Fotografien aller Zeiten, sondern 32 Jahre später auch zum Albumcover einer der bekanntesten Rockbands der Welt wird.

Das Debütalbum von 1968/69 mit der brennenden Hindenburg.

Die besseren Leute
Vor dem Hintergrund der Geschehnisse in den dreißiger Jahren, ist es kaum überraschend, als „Led Zeppelin“ in den Monaten nach ihrer Umbenennung Bekanntschaft mit einer Nachfahrin des Grafen von Zeppelin macht.

Eva von Zeppelin, die Enkelin, wirft der Gruppe vor, ihren Familientitel zu beleidigen und zu entehren und betitelt die Mitglieder als „shrieking monkeys“. Zudem versucht sie 1969 und 70 erfolglos die Fernsehübertragung eines Konzertes in Kopenhagen zu verhindern und droht „Led Zeppelin“ aufgrund der illegalen Verwendung ihres Namens zu verklagen.

Bei einem Treffen, zu dem die Band die Gräfin wenig später einlädt, kommt es dann beinahe zu einer friedlichen und freundschaftlichen Einigung, allerdings fällt der Gräfin beim Hinausgehen etwas auf…

„We calmed her down but on leaving the studio, she saw our LP cover of an airship in flames and she exploded! I had to run and hide. She just blew her top. “ – Jimmy Page

Die Rockband wird daraufhin von ihrem Manager für die Skandinavien-Tour kurzfristig in „The Nobs“, zu Deutsch „die besseren Leute“, umbenannt.

Ein Sturz bringt den Wendepunkt
Die Gründung ihres eigenen Labels „Swan Song“ im Jahr 1971 sorgt dafür, dass die Band mehr künstlerische Freiheiten erhält und Plants Interesse für das Mystische verstärkt in ihren Liedern mitklingt. Aus Protest gegenüber der Kritik, die ihnen deshalb entgegenkommt, veröffentlichen sie ihr viertes Album ohne Titel, Bandname und Liedangaben, was aus heutiger Sicht die beste Methode war, um die Öffentlichkeit zu besänftigen, die Vorwürfe abklingen zu lassen und den nächsten beiden Alben wieder zu altem Ruhm zu verhelfen.

Teilweise mehr verkaufte Konzerttickets als die Rolling Stones, Auftritte von bis zu einer halben Millionen Pfund Gage, mehr verkaufte Alben als jede andere Band auf der Welt und ein maßgefertigtes Privatflugzeug, das für stolze 30.000 Dollar unter anderem die Rolling Stones und Deep Purple mieten. Besser kann es für „Led Zeppelin“ Anfang bis Mitte der Siebziger Jahre, nach zwei weiteren veröffentlichen Studioalben, kaum laufen.

Die Band ist für ihre ausschweifenden Partys und ihren Konsum von Rauschmitteln bekannt. Es ist die Zeit ihres Weltruhmes, eine Zeit in der sie ganze Stockwerke in Hotels für ihre Partys anmieten und mit Motorrädern die Treppen hinunterfahren.

Doch mit einem Mal scheint dieses Gerüst zu wanken. Als Robert Plant im Jahre 1976 mit seiner Frau auf der griechischen Insel Rhodes von einer Klippe stürzt und es unklar ist, ob er je wieder laufen können wird, kommt es erstmals zu einer längeren Pause in der Bandaktivität. Ein deutlich schwächeres Album mit Robert im Rollstuhl wird aufgenommen. Nachdem ein Jahr später zudem der Sohn Plants an einer tödlichen Virusinfektion stirbt, kommen erstmals Gerüchte über eine bevorstehende Trennung auf.

Soweit kommt es allerdings erst vier Jahre später. Nachdem sich „Led Zeppelin“ nach den Tiefpunkten in den vorangegangenen Jahren wieder einigermaßen erholt hat, kommt das entscheidende Ereignis für den weiteren Verlauf der Bandgeschichte:

Am Morgen des 25. Septembers 1980, der Tag, an dem die größte „Led Zeppelin“-Tour seit Jahren beginnen soll, wird der 32-jährige Schlagzeuger John Bonham tot aufgefunden. Er ist an seinem eigenen Erbrochenen erstickt, denn wie sich im Nachhinein herausstellt, hatte er ein Äquivalent von 40 Vodka-Shots über den gesamten Vortag hinweg getrunken.

Für die drei verbliebenen Mitglieder der Rockband ist ziemlich schnell klar, dass sie in dieser Besetzung nicht weiter machen wollen und noch am selben Tag wird die Trennung bekanntgegeben.

20 Millionen Menschen
Noch im selben Jahr beginnen zwei der verbliebenen Mitglieder an eigenen Projekten zu arbeiten. Jimmy Page gründet eine neue Band mit dem Namen „The Firm“, während Robert Plant 1990, distanzierend von seiner Verbindung zu „Led Zeppelin“, eine Solokarriere anschließt. 1995 veröffentlicht schließlich auch John Paul Jones ein neues Projekt in Kooperation mit der Sängerin Diamanda Galas.

Doch nicht nur allein, auch als „Led Zeppelin“ kommt es im Laufe der Jahre noch einmal zu Wiedervereinigungen, wie beispielsweise bereits fünf Jahre nach ihrer Auflösung für das Live-Aid-Festival für Afrika mit Phil Collins am Schlagzeug. Ebenso anlässlich des Benefizkonzerts für den verstorbenen Ahmet Ertegün im Jahr 2007 mit John Bonhams Sohn Jason. Für die 20.000 verfügbare Plätze hatten sich im Voraus weltweit über 20 Millionen Menschen registrieren lassen.

Ein generelles Comeback aller Künstler wird es trotz Angeboten wie 100 Millionen Dollar für eine Amerika Tour, vor allem von Plants Seite, allerdings voraussichtlich nicht mehr geben.

Eines der Ereignisse, die auch viele Jahre nach der Auflösung der Band zeigen, wie groß diese Gruppe einmal gewesen ist, spielt sich im Jahr 1995 ab: „Led Zeppelin“ wird in die Rock and Roll Hall of Fame aufgenommen.

„They were like Lord Byron – mad, bad and dangerous to know. It was kind of like Howling Wolf meets the Loch Ness monster.“ – Joe Perry

Die drei verbliebenen Mitglieder mit dem ehemaligen Präsidenten Barack Obama.

2012 wurden die verbliebenen Mitglieder zudem im Kennedy Center in Washington bei den sogenannten Kennedy Center Honors für ihr Lebenswerk geehrt. Mit einem Schmunzeln soll hier der ehemalige US-Präsident darum gebeten haben, dass John Paul Jones, Jimmy Page und Robert Plant am besten nichts von der Zerstörungswut aus ihrer Zeit als „Led Zeppelin“ an den unbezahlbaren Kunstwerken herauslassen sollen.

„Diese Typen haben den Lebensstil des Rock’n’Rolls neu definiert.“ – Barack Obama

„Led Zeppelin“ ist auch jetzt noch ein Phänomen, immer noch bekannt und immer noch gefeiert für das, was vor genau 50 Jahren mit einer einfachen Idee begonnen hat und an was sich wahrscheinlich auch in einem weiteren halben Jahrhundert noch viele Menschen erinnern. Eine Rockband mit vielen Facetten, Höhen und Tiefen, nicht nur in sich selbst, sondern auch in ihrer Musik. Sie waren wie ihr Bandname, viele unterschiedliche Charaktere, die der Gruppe im Laufe der Jahre einen ganz speziellen Reiz und Ausstrahlung vermitteln sollten. In sich geschlossen und trotzdem komplex, eben wie das Gegenspiel von Leichtigkeit und Schwere. Was also bleibt anderes zu sagen, zu der Gruppe mit dem berühmten Luftschiff im Namen:

Gratulation, Applaus und schön, dass ich euch kennen lernen durfte.“


Julia Hänsler hat 2017 ihr Abitur in Wangen im Allgäu absolviert und danach neben zwei Monaten als Reisenomadin auf den Trampelpfaden dieser Welt, ihre Zeit mit verschiedenen Praktika verbracht. Zuletzt war sie von Mai bis Juni Praktikantin der Abteilung Kommunikation im Zeppelin Museum. Ab Herbst will sie ihrer Kreativität gerne entweder in einem Studium der Theater- und Medienwissenschaften oder im Fashionmanagement freien Lauf lassen.

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