„In einem Museum wie dem Zeppelin Museum arbeiten zu können, ist für uns ein Glücksfall!“

„Uns hat die Aufgabe gereizt, Projekte auszustellen, die zu wesentlichen Teilen im virtuellen Raum angesiedelt sind, die aber dennoch eine physische Form im Ausstellungsraum annehmen müssen.“
– Andreas Müller, Kooperative für Darstellungspolitik

Die Berliner Kooperative für Darstellungspolitik – Jesko Fezer, Anita Kaspar, Andreas Müller & Team – forscht zur Darstellung politischer und kultureller Anliegen in der Öffentlichkeit und gestaltet Ausstellungsarchitekturen als diskursive Räume öffentlicher Auseinandersetzung. Sie arbeiten an internationalen Projekten, wie z. B. für die Documenta in Kassel, das Goethe Institut in Mexiko, in Utrecht, London und natürlich in Berlin.

Die Kooperative hat nun zum ersten Mal für das Zeppelin Museum gearbeitet und die Architektur für die Ausstellung »Schöne Neue Welten. Virtuelle Realitäten in der zeitgenössischen Kunst« gestaltet, die am 10. November um 19:30 Uhr eröffnet wird.

Wir haben Andreas Müller stellvertretend für die Kooperative gefragt, wie es zur Zusammenarbeit kam und was das Spannende, Besondere und Schwierige an dieser Aufgabe war.

Weiße Wände und offene Fenster bei Virtual Reality Arbeiten, kann das überhaupt funktionieren? Warum wird „Schöne neue Welten“ also genau so aussehen?
Der Reiz an dieser Ausstellung liegt darin, dass wir hier zwei parallele Realitäten haben. Die Darstellung von virtuellen Umgebungen über VR-Brillen, findet ja in einem realen Raum statt. Die BesucherInnen bewegen sich in diesem Raum, ihre Körper stehen oder sitzen inmitten der künstlerischen Arbeiten. Um möglichst viele Bezüge zwischen dem virtuellen Raum der Exponate und dem realen Ausstellungs- sowie Außenraum herzustellen, haben wir möglichst wenige Eingriffe vorgenommen. Wir haben versucht, den Ausstellungsraum weiter zu öffnen und die Arbeiten in ihnen frei zu positionieren, einige Wände und Fensterabdeckungen entfernt und da wo es möglich war, Wände weiß gestrichen. So entstehen Blickbeziehungen zwischen den künstlerischen Arbeiten und dem Ausstellungsraum. Das Öffnen der Fenster stellt einen ganz einfachen Bezug zur Außenwelt her. Vielleicht ist das Fenster — ähnlich wie eine VR Brille — ein Sichtgerät, durch das man in eine andere Realität blicken kann. In diesem Fall ist das ein sehr schöner Ausblick über den Bodensee.

Als Kontrast dazu werden gelbe Stahlrohre und –bügel in den Ausstellungsräumen stehen. Wozu dienen sie? Hat die Farbe einen speziellen Grund? 
Die Stahlrohrbügel vermitteln zwischen dem virtuellen Raum einer Arbeit, den die BetrachterInnen über eine VR-Brille sehen, und dem Ausstellungsraum, in dem sich ihr Körper aufhält. Ähnlich wie Haltegriffe in öffentlichen Verkehrsmitteln – daher die Farbe verkehrsgelb – bieten sie Halt und Stabilisierung. Darüber hinaus funktionieren sie als räumliche Elemente, die die BesucherInnen im Raum leiten, abschirmen, umlenken oder aufhalten.

Gab es besondere Herausforderungen mit den Räumen und den zu zeigenden Arbeiten? Es entsteht für Halil Altinderes Arbeit ja zum Beispiel eine Rotunde. Wie habt Ihr Euch dem Thema genähert?  
Eine Herausforderung ist, dass die VR-Brille, die in vielen der gezeigten Arbeiten zentral ist, für die Raumgestaltung nicht viel hergibt. Damit gehen viele der künstlerischen Arbeiten um, indem sie zusätzliche installative Elemente im Ausstellungsraum einsetzen, z. B. die Panoramatapete bei Halil Altindere oder die Bildteppiche bei Florian Meisenberg. Für die Ausstellungsgestaltung bedeutet das, dass der offen sichtbare Teil der Ausstellung den medial vermittelten Teil immer mitdenken muss.

Was hat Euch besonders gereizt an dieser Ausstellung? Das Thema, das Haus, der Bodensee?
Uns hat die Aufgabe gereizt, Projekte auszustellen, die zu wesentlichen Teilen im virtuellen Raum angesiedelt sind, die aber dennoch eine physische Form im Ausstellungsraum annehmen müssen. Beide Räume sind natürlich miteinander verknüpft – im täglichen Leben sind viele Menschen mittlerweile unter anderem durch das Smartphone parallel in beiden Realitäten unterwegs. In der Ausstellung war es für uns besonders spannend, wie dann der reale Raum um den größtenteils virtuellen Raum der künstlerischen Arbeiten herum zu gestalten ist, sodass die Verknüpfungen möglichst sichtbar werden. Dass wir an solchen Fragestellungen in einem Museum wie dem Zeppelin Museum arbeiten konnten, ist für uns ein Glücksfall, denn hier wird an der Schnittstelle von Kunst und technologischer Entwicklung experimentiert.


Bilder: © Zeppelin Museum, Foto: Lisa Klaschka

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