Kult im Beet! Sommerfreuden im Zeppelindorf

An diesem schwülheißen Augustnachmittag ist einiges los im Schauhaus. Es sind mehr Besucherinnen und Besucher als gewöhnlich da, denn um 16.30 Uhr startet eine ganz besondere Führung im Garten des Schauhauses: Kult-Pflanzen stehen im Mittelpunkt und werden fachkundig von Karin Seuster, der Gartenverantwortlichen, vorgestellt. 20 Gartenfans haben sich im Garten versammelt und lauschen Karin Seusters Worten aufmerksam. Auch einige Helferinnen und Helfer der GartenAg sind dabei. Anlass ist die Ausstellung „Kult! Legenden, Stars und Bildikonen“ im Zeppelin Museum. Seuster hat heute drei Gemüse-Sorten in den Fokus gestellt.

Zunächst erörtert und definiert sie den Begriff „Kult“. Was ist Kult? Was bedeutet dann „Kult im Beet“? Beim Gärtnern sind das für Seuster Pflanzen, die in Vergessenheit geraten sind, jetzt wieder neu auftauchen und große Wertschätzung erfahren. So ist in vielen Städten das sogenannte urban gardening ein Trend geworden. Menschen wollen lieber gemeinsam produzieren, statt nur zu konsumieren. Als weiteres Beispiel führt sie die „vegane Bewegung“ an.

Dann geht es los zu den Beeten. Zwischen heutzutage üblichen Sorten finden sich – gekennzeichnet durch einen KULT! Aufkleber auf dem Pflanzenschild – alte Sorten. Die Gartenmelde – allen Anwesenden bisher völlig unbekannt – (Atriplex) ist die erste Station. Drei Sorten hat Karin Seuster gepflanzt. An Samen zu kommen, war dabei gar nicht leicht, obwohl dies eine ganz alte, in Deutschland beheimatete Pflanze gewesen ist. Die Blätter des schmucken roten Gewächses werden als Salat oder Gemüse verzehrt und liefern Vitamine und Mineralstoffe. Da dieses Blattgemüse in den Regalen der Supermärkte nicht zu finden ist, muss es schon selbst angebaut werden. Früher wurde Gartenmelde auch als Färbpflanze verwendet. In der Nachkriegszeit wurde sie durch den Spinat verdrängt.

Die zweite alte Kulturpflanze ist der Blatt- und Stielmangold, der in den letzten Jahren wieder in vielen Supermärkten zu kaufen ist. Die alten Römer begannen, den Mangold nördlich der Alpen anzubauen. Aber auch dieses Blattgemüse war lange Zeit durch den Spinat verdrängt worden. Am Mangold-Beet zeigt Seuster die dekorative bunte Pflanze. Alles kann verwendet werden, es bleibt kein Abfall beim Zubereiten. Der Hinweis, dass Schnecken diese Pflanze gar nicht mögen, erntet einhelliges Nicken bei den Zuhörern… Die meisten Anwesenden, Einheimische und Urlaubsreisende, bewirtschaften selbst einen Gemüsegarten, wie aus den fachkundigen Fragen hervorgeht. Was tun sie gegen Schnecken? Verwenden sie Brühen?  Über solche Fragen kommen die Besucherinnen und Besucher miteinander ins Gespräch.

Als letzte Station zeigt die Gartenverantwortliche sechs verschiedene Möhrensorten. Dieses heute populäre Wurzelgemüse kam vor rund 4000 Jahren aus der Türkei zu uns. Das Carotin schützt die Haut vor Sonnenbrand und zaubert einen schönen Teint. Und in den 1980er Jahren waren sogenannte Karottenhosen absolut modisch, waren also Kult!

Bei der Verkostung eines Gemüsekuchens und interessanten Gesprächen im Schatten uralter Bäume klingt die anregende Gartenführung im Zeppelindorf aus. Eine Besucherin erkundigt sich nach der GartenAg, andere fragen nach Bezugsquellen für alte Sämereien. Und dann geht auch dieser Freitagnachmittag im Garten des Schauhauses zu Ende.

Das Schauhaus im Zeppelindorf, ist von Mai-Oktober jeden Freitag von 14-17 Uhr geöffnet. König-Wilhelm-Platz 12, Eintritt (ab 17 Jahre) 3 Euro.

Den Bericht schrieb Barbara Fricker-Tuzlu, Mitarbeiterin in der Abteilung Bildung & Vermittlung im Zeppelin Museum Friedrichshafen

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