Graf Ferdinand von Zeppelin

8. Juli 1838 – 8. März 1917
Ferdinand Adolf August Heinrich von Zeppelin wurde am 8. Juli 1838 in Konstanz im ehemaligen Dominikanerkloster und heutigen Inselhotel geboren. Dort war sein Vater Friedrich von Zeppelin zwei Jahre zuvor in die Textilbetriebe seines Schwiegervaters David Macaire eingetreten. Friedrich galt als sensibler Schöngeist, der die harten Arbeitsbedingungen des Industrieunternehmens nur schwer ertragen konnte – auch wenn er selbst sicherlich nicht so hart und lang arbeiten musste wie die Frauen und Waisenkinder.

Deshalb gab er leichten Herzens seine Mitarbeit beim Schwiegervater auf, nachdem er und seine Frau Amélie von David Macaire 1840 das im Schweizer Kanton Thurgau gelegene Landgut Girsberg zu Weihnachten geschenkt bekommen hatten. Amélie und Friedrich von Zeppelin zogen mit ihren Kindern Eugenie und Ferdinand in das kleine Schloss. 1842 wurde Eberhard geboren.

Auf Schloss Girsberg kümmerte sich Friedrich um die Leitung des Landguts, um den Gemüsegarten und den Wein- und Obstanbau. Fast jeden Tag notierte er sorgfältig, was in Haus und Hof passierte.  Außerdem ging er leidenschaftlich gern auf die Jagd und widmete sich seiner Schmetterlings-, Käfer- und Mineraliensammlung sowie der Dichtkunst und der Musik. Er spielte Violine und seine Gedichte wurden im Freundeskreis und von der Verwandtschaft gelesen, rezitiert oder sogar vertont. Für den „Schwäbischen Merkur“, die damals führende Tageszeitung in Württemberg, schrieb er Texte.

Mit seiner Frau Amélie scheint ihn eine innige Liebe verbunden zu haben.

Moderne Erziehungsmethoden
Liebevoll beschrieb Amélie 1844 ihre Kinder in einem Brief an ihre Schwägerin Anna und meinte über Ferdinand, er sei ein „blauäugiges gelocktes Engelsköpfchen, der Liebling der Onkel und Tanten“ „Knöpflesschwab“ nenne, auswärts aber „Herzkäfer“. Mit seinen sechs Jahren sei er „die Gemütlichkeit selbst“ und er interessiere sich.

Die Eltern weckten in ihren Kindern das Verständnis für die Natur, das Interesse an Wetterbeobachtung und die Liebe zur Kultur. Besonders ungewöhnlich für die damalige Zeit war, dass Vater Friedrich sich intensiv und liebevoll um die Erziehung seiner Kinder, vor allem die seiner beiden Söhne, kümmerte. Er lehrte sie schwimmen, reiten, Kutsche fahren, fechten und schießen und unternahm mit ihnen Bergwanderungen, Klettertouren und Ausflüge, zum Beispiel per Dampfschiff und Zug nach Stuttgart.

Der Vater selbst erteilte den Schwimmunterricht in der Konstanzer Badeanstalt und notierte am 10. Juli 1845, zwei Tage nach Ferdinands siebtem Geburtstag: „Ferdi zum erstenmal an der Leine“.

Als Ferdinand zehn Jahre alt war, schoss er seinen ersten Hasen.

Ein weiteres Erziehungsziel war praktische Lebenserfahrung. Die Kinder spielten das nach, was sie im Alltag der Erwachsenen auf dem Landgut erlebten. Ferdinand erinnert sich später:

„Jeder hatte sein Gärtchen, das er mit eigenen Geräten in Ordnung hielt. Ich selbst zog Gemüse und hatte eine kleine Tragbutte, in der ich dann für die Verwandten und ins freundnachbarliche Schloss Castell mein selbstgezogenes Produkt zum Verkaufe trug. Wir hatten einen Dreschflegel, unserer Größe angepaßt, und haben öfters tüchtig und ausdauernd mitgedroschen. Oft habe ich auch den Senn abgelöst, wenn er zum Essen ging. […] In späteren Knabenjahren trieben wir auch Buchbinderei und Schreinerei, wozu wir von Handwerksmeistern Anleitung bekamen, und haben uns Schränke, Bücherregale u. dgl. geschreinert. Das elterliche Erziehungskonzept enthielt also sowohl traditionell adlige als auch bürgerlich-aufgeklärte Bildungsprogramme, und „das Leben im Schweizerland und mit den Großeltern, die die Fabrik in Konstanz hatten, ließ in uns gar nicht den Gedanken aufkommen, uns sozusagen als höhere Gesellschaftsschicht zu betrachten, wie es vielfach sonst sich in Deutschland findet.“

„Sie sollen sich fühlen lernen…“
Nach Ferdinands achtem Geburtstag begann der regelmäßige Lateinunterricht, ein Jahr später der Englischunterricht. 1849 wurde der Hauslehrer Kurz eingestellt, der jedoch für die selbstbewussten Kinder zu wenig Durchsetzungsvermögen besaß. Deshalb löste ihn ab August 1850 Robert Moser ab, ein Pfarrvikar aus einer pietistischen Ravensburger Pfarrersfamilie, der sich nicht nur um die klassische Schulbildung auf Gymnasialniveau, sondern auch um die moralische und ethische Erziehung kümmerte.

Robert Moser 1852 in einem Brief an die Großmutter Pauline von Zeppelin: „So hatte auch Ferdinand verborgene Wüstigkeiten, die kein Mensch von dem unschuldigen Knaben geglaubt hätte und die ich, wie er mir letzthin unter Tränen bekannte, erst seit meinem Hiersein, besonders seit meinem Religionsunterricht als Sünde aufs Herz gefallen und wegen deren er schon oft seither Gott um Verzeihung gebeten.“

Gerade die pietistische religiöse Erziehung hatte bei der Familie Zeppelin einen hohen Stellenwert. Bei Tisch und vor dem Schlafengehen wurde gebetet, außerdem besuchten sie regelmäßig den evangelischen Gottesdienst.

Schulunterricht erhielten Ferdinand und Eberhard täglich von acht bis zwölf und von 15 bis 19 Uhr in den Fächern Mathematik, deutsche Sprache und Literatur, Mineralogie und Botanik. Außerdem lernten sie deklamieren, übten sich in freier Rede und sollten auch zu eigenständigem Denken und pflichtbewusstem Handeln ermutigt werden. Zudem ging Moser mit den Jungen baden, wandern oder diskutierte mit ihnen.

Eugenie nahm nicht regelmäßig am Unterricht teil, ihr wurde ab 1851 Sophie Falkenstein als persönliche Gouvernante zur Seite gestellt, die ihr Fremdsprachen, Handarbeit, Haushaltsführung. Konversation und Etikette beibrachte.

Bei den Reisen, Ausflügen, Verwandten- und Gaststättenbesuchen, zu denen die Kinder mitgenommen wurden, lernten sie unterschiedlichste Lebenswelten und Einstellungen kennen. Die Eltern ließen ihren Kindern viel Freiraum, denn „es war der Grundsatz meiner Eltern, möglichst wenig zu erziehen“, erinnerte sich Ferdinand später. Und Robert Moser schrieb: Nicht schüchtern, aber bescheiden; nicht frech, aber freimüthig; nicht übermüthig sollen die Kinder werden, aber sie sollen sich fühlen lernen. Sie dürfen und sollen ihr Selbstbewußtsein haben.

Schlechtes Benehmen und Fehlverhalten wurde nicht mit Prügel bestraft. Stattdessen wurde dem Kind ins Gewissen geredet. Insgesamt war das Verhältnis zwischen Eltern und Kindern liebevoll, zugewandt und voller Vertrauen.

Angesichts dieser modern anmutenden Erziehung entwickelten sich die Zeppelin-Kinder zu eigenständigen und selbstbewussten Persönlichkeiten. Robert Moser: „Unter dem Einfluß der bevorzugten socialen Stellung und bei einer Erziehung, bei der die einzelne Persönlichkeit zu ihrer vollen Geltung kam, bildete sich früh eine Selbständigkeit, ein offenes, freimüthiges Wesen, und eine Sicherheit im Benehmen, die ich bewundern mußte. Der Hauptschmuck aber war bei allen die Entwicklung eines religiös sittlichen Charakters, die schon damals zu den schönsten Hoffnungen für das Mannesalter der Zöglinge berechtigte“.

Natürlich konnte noch niemand ahnen, dass Ferdinand einmal einer der berühmtesten Luftfahrtpioniere der Welt werden würde.


Bilder: © Archiv der Luftschiffbau Zeppelin GmbH

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