Was ist eigentlich Kult?

Gibt man genau diese Frage bei einer Suchmaschine (nennen wir sie einfach mal Google) ein, so springen einem sofort die Webseite des Dudens und Wikipedia entgegen – inklusive sehr emotionsloser Definitionsversuche. Wenn man diese jedoch ignoriert und sich weiter durch die Suchergebisse gräbt, stößt man auf das ein oder andere Forum. Auch hier wird versucht, dem Begriff eine Bedeutung zu geben. Vergeblich. Denn wie ich feststellen muss, hat jeder seine ganz eigene Vorstellung davon, was denn nun kultig ist und was nicht.

Ich nehme mir ein paar Minuten Zeit, um zu überlegen, was ich denn eigentlich unter Kult verstehe – und komme immer wieder auf die gleiche Antwort: Wenn ich an Kult denke, denke ich an Filme wie Zurück in die Zukunft, Star Wars oder Dirty Dancing. Aber auch an Bücher wie Harry Potter und die Sherlock Holmes Romane, Bands wie Queen, AC/DC oder Nirvana und an all die schön schrecklichen Gegenstände aus den 90er Jahren wie Tamagotchis oder Diddl-Blätter. Für mich steckt Kult also irgendwie in der Kultur – und das nicht nur wortwörtlich.

Doch das ist ja nur meine Meinung. Da mich die Frage aber nicht mehr losgelassen hat, habe ich diese auch meinen Kolleginnen und Kollegen aus dem Zeppelin Museum gestellt – und war erstaunt, wie vielseitig die Auffassung von Kult doch tatsächlich ist…

Es gibt Erscheinungen, die mich dauerhaft fesseln, vor allem wenn sie leicht schräg sind. Zum Kult wird es für mich, wenn ich merke, dass es viele Gleichgesinnte gibt, die das genauso bekloppt verehren wie ich.
Heiner Middeldorf, EDV Administration

Für mich hat Kult etwas mit Tradition und festgelegten Ritualen zu tun. Beispielsweise ein Familientreffen an einem seit Jahrzehnten festgelegten Termin mit Essen, welches nach alten überlieferten Familienrezepten gekocht wird. Oder das Vorlesen oder Singen mit Kindern.
Petra Hajek, Kassenpersonal

Aus professioneller Perspektive sind für mich Ausstellungen wie „Traffic“ in Bordeaux 1996 Kult oder „il tempo del postino“ 2007 in Manchester. Künstler und deren Kunstwerke können Kult sein, weil sie ganze Generationen künstlerisch wie allgemein gesellschaftlich geprägt haben, wie etwa Felix Gonzalez-Torres oder General Idea. Privat gesprochen ist aber auch die Rap-Musik der 90er Kult, der Gameboy, Polaroidkameras, das iPhone, die Dr. Martens oder die MA-1. Der Begriff umspannt für mich ganze Lebensbereiche. Dabei kann er aber gerade in seiner Anwendung auf politische Figuren zu etwas sehr Gefährlichem und Angsteinflößendem werden. Kult ist definitiv eine Medaille mit zwei Seiten.
Dominik Busch, wiss. Volontär in der Abteilung Kunst

Kult sind für mich zum Beispiel Elvis Presley und Michael Jackson, da sie über einen längeren Zeitraum von einer größeren Gruppe von Menschen verehrt wurden bzw. von besonderer Bedeutung sind.
Marina Dowiasch, Assistenz der Geschäftsleitung

Für mich ist Camping Kult. Am Wochenende und im Urlaub tausche ich regelmäßig den Komfort der eigenen Wohnung gegen das Leben im Wohnmobil und gehe auf reisen. Unterwegs trifft man auf viele spannende, einzigartige aber auch völlig ungewöhnliche Menschen und Geschichten.
Mareike Mattes, kaufmännische Verwaltung

Persönlicher Kult, aber auch sehr passend zur Arbeit in der Provenienzforschung, sind natürlich Krimis – furchtbar gerne die unkonventionelle Margaret Rutherford als „Miss Marple“!
Fanny Stoye, Provenienzforschung

Weihnachten ohne „Drei Nüsse für Aschenbrödel“, „Bridget Jones“ und „Tatsächlich Liebe“ wäre für mich kein Weihnachten. Diese Filme sind für mich Kult. Genauso wenig kann es keine Sommerplaylist ohne „Island in the sun“ von Weezer geben. Musik, Filme, Serien, Kleidung, Marken, in allem steckt Kultpotential. Letztlich ist Kult für mich subjektiv und schwankt zwischen Nostalgie, Zeitgeist, Ritual und Trend. Empfinden andere Gilmore Girls, The Libertines oder Converse Schuhe als Kult? Vermutlich nicht, aber für mich sind die Kult, denn sie sprechen meine Emotionen an und wecken Erinnerungen.
Linda Kunnen, wiss. Volontärin in der Abteilung Bildung und Vermittlung

Für mich war und ist Michael Jackson eine Kult-Person, der vor allem den zeitgenössischen Tanz revolutioniert hat. Kult ist auch sein Moonwalk sowie seine zahlreichen Lieder und coolen Videoclips, wie zum Beispiel „Leave me alone“. Kult in der Filmbranche bedeutet für mich beispielsweise „Achteinhalb“, „Die Nächte der Cabiria“, „Das süße Leben“ oder auch „Roma“ von Federico Fellini. Aber auch die Tanzszenen aus „Der Duft der Frauen“ und aus „Pulp Fiction“. Ein absolutes Kultbuch ist „1984“ von George Orwell.
Ewa Wojciechowska, Marketing

Da Kult ein weitläufiger Begriff ist, zählt für mich unter anderem die Hippiezeit dazu. Musikalisch stark vertreten waren beispielsweise Janis Joplin, Jimi Hendrix und Santana. Aber auch das Woodstock-Festival, Musicals wie „Hair“ oder „Jesus Christ Superstar“, Pink Floyds „Another Brick in the Wall“, selbstgestrickte Kleidung wie Mützen, Stolas und Pullis, VW-Busse und „Enten“ sowie die beliebte Coca-Cola. Rituale sind für mich auch Kult – zum Beispiel Gottesdienste sowie gemeinsames Essen und Trinken.
Brigitte Peter, Aufsichspersonal

Als ich im Zusammenhang der Ausstellung das erste Mal über das Phänomen Kult nachgedacht habe, fielen mir sofort die schönen alten VW-Busse aus den 1970er Jahren, genannt „Bulli“, ein. Seit ich meinen Führerschein habe, schlummert tief in mir der Wunsch einen gelben Bulli mit weißem Dach zu besitzen. Doch wirklich praktisch ist ein so altes Auto natürlich nicht, deshalb kam es bisher auch nie zu einem Kauf. Aber immer wenn ich einen Bulli sehe, werde ich ganz sentimental und der alte Wunsch ploppt wieder auf. Dieses Auto ist wirklich Kult für mich!
Miriam Fuggenthaler, Leiterin der Abteilung Bildung und Vermittlung

Kult für mich? Na klar ganz klar, der FC. St. Pauli am Millerntor. Gibt es etwas Kultigeres als aus vollem Halse „You’ll never walk alone“ zu singen und die geliebte Mannschaft doch wieder verlieren zu sehen? Und braun-weiß, das sind doch wohl die kultigsten Farben…
Simone Lipski, Presse und Öffentlichkeitsarbeit

Kult für mich persönlich ist etwas, was ich über längere Zeit immer wieder zuweilen exzessiv betreibe. Bis meine Kinder zur Welt kamen betrieb ich einen richtiggehenden Schmuckkult. Zu jedem Anlass trug ich großen Modeschmuck. An keinem ausgefallenen Armreif, Ring oder Halskette kam ich vorbei. Groß, schwer, umständlich, schrill – das musste sein, das war der Ausdruck eines Lebensgefühls. Woher das kommt? Ich hab schon als Teenager in den späten 70ern mit meiner Schwester Perlenketten gefädelt. Oder mit Silberdraht, Perlen und Federn Ohrgehänge hergestellt. Wir haben die dann auf Flohmärkten verhökert und für das Geld alte Schmuckstücke erstanden. Das war echt kultig, daran muss ich immer denken, wenn ich meine Schmuckstücke so ansehe. Ich mag immer noch gerne Schmuck und das schmücken. Aber mein persönlicher Kult ist es nicht mehr.
Barbara Fricker-Tuzlu, Museumspädagogin

Wenn ich an Kult denke, kommen mir einerseits Filme wie „Dick und Doof“ oder „Dirty Dancing“ in den Sinn, andererseits die Filme von Barbie und Pokémon sowie alles Dazugehörige, zum Beispiel Sammelkarten oder Sticker-Alben, die man auf dem Pausenhof untereinander ausgetauscht hat.
Wencke Deitermann, Praktikantin in der Abteilung Kommunikation

Und jetzt frage ich Euch: Was ist eigentlich Kult?


Die Sonderausstellung »Kult! Legenden, Stars und Bildikonen« findet vom 2. Juni bis zum 15. Oktober 2017 bei uns im Zeppelin Museum Friedrichshafen statt.

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